In fünf Performances und an einigen der markantesten Orte von Paris entwickelt die Berliner Künstlerin ortsspezifische Lichtinterventionen im Zusammenspiel von Architektur, Geschichte und Klang.
Vom Grand Palais über Saint-Eustache bis zum Espace Niemeyer: Für das diesjährige Festival d’Automne in Paris entwickelt Theresa Baumgartner Lichtinterventionen für fünf Performances. Zwischen Oktober und Dezember arbeitet sie dabei in sehr unterschiedlichen architektonischen Kontexten, deren Charakter und Geschichte jeweils zum Ausgangspunkt ihrer Arbeit werden.
Den Auftakt machte am 4. Oktober GORDE von Florentin Ginot und Katharina Ernst im Théâtre des Bouffes du Nord. Es folgen Rebecca Saunders’ Chroma I–XXIV im Grand Palais, Klangforum Wien in Saint-Eustache, Brìghde Chaimbeul und Etienne Nillesen im Espace Niemeyer sowie Werke von Cassandra Miller, Éliane Radigue und Sarah Davachi, interpretiert vom Quatuor Bozzini in der Église du Saint-Esprit.
Baumgartners Arbeiten entstehen in enger Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Ort. Im Bouffes du Nord etwa griff sie die Patina des Theaters und die ungewöhnlichen Proportionen des hohen, schmalen Bühnenraums auf. Lange vertikale Lichtsäulen betonten dessen Höhe, während eine tief liegende Ebene aus Licht und Haze die räumlichen Verhältnisse bewusst verschob.
Für die kommenden Termine entstehen daraus ganz unterschiedliche Ansätze. In Saint-Eustache entwickelt Baumgartner eine partizipative Intervention, bei der Taschenlampen in den Händen des Publikums Teil der Lichtarbeit werden. Im Grand Palais folgt ihr visuelles Konzept einem Konzert, das als Parcours durch das Gebäude angelegt ist, während sie in Saint-Esprit mit einem sakralen Raum arbeitet. Statt eine visuelle Sprache von einer Produktion auf die nächste zu übertragen, entwickelt Baumgartner für jeden Ort und jede musikalische Arbeit einen eigenen Zugang.
Licht versteht sie dabei nicht als nachträgliche Ergänzung einer fertigen Performance, sondern als gestalterisches Mittel, das im direkten Verhältnis zu Klang und Architektur steht und die Wahrnehmung eines bestehenden Raums verändern kann.
Baumgartner studierte Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Fine Arts am Chelsea College of Arts in London. Ihr Zugang zu Bühne und Licht ist geprägt von ihrer Arbeit in bildender Kunst und Skulptur. Ausgehend von Film, experimenteller Musik und audiovisueller Performance bewegt sich ihre heutige Praxis zwischen Installation, Performance und Bühne.
Gemeinsam mit dem Künstler Marcel Weber (MFO) entwickelte sie die visuelle Szenografie für Jlins Black Origami-Tour sowie für die Live-Aufführungen des Stranger Things-Soundtracks von Kyle Dixon und Michael Stein. Später arbeitete sie mit Hildur Guðnadóttir, Chris Watson, Sam Slater und Francesco Donadello an der Live-Präsentation des Soundtracks zur HBO-Serie Chernobyl. Das Projekt wurde 2020 mit dem OPUS KLASSIK in der Kategorie „Innovativstes Konzert des Jahres“ ausgezeichnet.
Kommende Termine beim Festival d’Automne
21. November 2026
Rebecca Saunders / Ensemble Intercontemporain
Chroma I–XXIV
Grand Palais, Paris
30. November 2026
Klangforum Wien
Église Saint-Eustache, Paris
11. Dezember 2026
Brìghde Chaimbeul / Etienne Nillesen
Espace Niemeyer, Paris
12. Dezember 2026
Florentin Ginot / Katharina Ernst
GORDE
Maison de la Musique de Nanterre
14. Dezember 2026
Cassandra Miller / Éliane Radigue / Sarah Davachi / Quatuor Bozzini
Église du Saint-Esprit, Paris
Rebecca Saunders / Ensemble Intercontemporain
Chroma I–XXIV
Grand Palais, Paris
30. November 2026
Klangforum Wien
Église Saint-Eustache, Paris
11. Dezember 2026
Brìghde Chaimbeul / Etienne Nillesen
Espace Niemeyer, Paris
12. Dezember 2026
Florentin Ginot / Katharina Ernst
GORDE
Maison de la Musique de Nanterre
14. Dezember 2026
Cassandra Miller / Éliane Radigue / Sarah Davachi / Quatuor Bozzini
Église du Saint-Esprit, Paris
Über Theresa Baumgartner
Theresa Baumgartner ist eine in Berlin lebende bildende Künstlerin, deren Arbeit audiovisuelle Performance, Installation und Bühnengestaltung umfasst. Sie studierte Freie Kunst an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und Fine Arts am Chelsea College of Arts in London. Ihre künstlerische Praxis ist in bildender Kunst und Skulptur verwurzelt und hat sich über langjährige Zusammenarbeiten mit Musiker:innen, Komponist:innen, Choreograf:innen und Filmemacher:innen entwickelt. Ihre Arbeiten wurden international unter anderem im Barbican Centre, im MONA, im Haus der Kulturen der Welt, in der Gaîté Lyrique und im Muziekgebouw Amsterdam sowie bei Unsound, CTM, Sydney Festival und Primavera gezeigt.
Written by: Jules Briccos
